Ankommen auf Amrum!

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Ankommen auf Amrum – ein Kreis schließt sich.

Genau heute vor einem Jahr, am 28.8.2016, bin ich abends mit dem letzten Schiff aufs Festland und dann weiter nach Dänemark gefahren und habe damit die Vorbereitungsphase des Sabbatjahres abgeschlossen um wirklich auf Reisen zu gehen. Das war der Anfang von Annas Auszeit. Ich wurde zu einer Reisenden, ein bisschen auch zu einer Suchenden und tauchte in eine andere Welt ein. Diese Welt war unabhängig vom Ort, an dem ich gerade war, egal ob Asien oder Europa. Sie berührte mal die Welt der Urlauber, mal die der Aussteiger, mal die spirituellen Communities, die ich besuchte, sie war irgendwo in einem Zwischenraum oder einem Parallelraum.

Annas Auszeit hat ein Ende gefunden. Dies Ende der Reisenden war am 2. August, als ich wieder auf Amrum ankam und am Hafen mit großem Hallo, einem Spanntuch und Sekt begrüßt wurde. Ich war wieder zuhause. Dieser Schlusspunkt war und ist so unendlich wichtig und mir wurde klar, dass er es erst ermöglichte, die ganze Energie dieses Jahres wirklich freizusetzen und mir zur Verfügung zu stellen. 

Eine Auszeit ist eben kein Ausstieg und das ist auch gut so!

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Die erste Woche wechselte ich zwischen Euphorie und Müdigkeit. Ich packte nach und nach die eingelagerten Kartons aus und entwilderte meinen Garten von dem Unkraut eines Jahres. Nach ein paar Tagen kamen die ersten Patienten und startete der erste Yogakurs. Morgen früh beginnt ein neues Schuljahr und ist auch dieser Teil des Sabbatjahres beendet. 

Es gibt keine großen Änderungen im Lebensrhythmus, keine umwälzenden Erkenntnisse. Es war ein Jahr, in dem all das, was mir wichtig ist, mehr Platz bekommen hat als Arbeit und Routine. Ein Jahr, das mir bestätigt hat, wer und was mir wichtig ist. Vertiefung also. Die größte Erkenntnis ist wohl, dass dies so unendlich wichtig ist und dadurch alles andere relativiert wird. Annas Auszeit wird es deswegen immer mal wieder geben, nicht unbedingt ein ganzes Jahr, aber einen Monat, Woche, einen Tag oder ….  wahrscheinlich wird es auch ab und zu einen Blog dazu geben. 

Vor Jahren hatte ich den Wahlspruch „Ankommen auf Amrum“ gewählt. „Annas Auszeit“ ist so etwas wie eine Parallele dazu. Denn nun ist Anna nicht mehr auf Auszeit, aber gibt es Auszeit bei Anna. Für diejenigen, die mich besuchen. die in meinem Haus auftanken und Urlaub machen oder die sich in meiner Praxis verwöhnen, beraten oder behandeln lassen. 

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Moin!

In der Nacht bringt mich der Liegewagen von Österreich wieder in den Norden. Als ob der Grenzer sich der Tragweite dieser Fahrt bewusst wäre, weckt er mich zur Passkontrolle mit diesem einen Wort und drückt damit bei mir den Button für Heimatgefühle! Moin! Und das in Bayern! Bevor ich wieder wegdöse, bemerkt er noch, dass mein Pass ja sehr mitgenommen aussieht. Das darf er auch nach diesem Reise-Jahr.
Wien war die letzte Etappe meiner Reise, bevor ich meine Siebensachen wieder in DK/FL einsammle und auf die Insel zurückkehre. Zu Wien kann man natürlich ne Menge sagen, Leute, die das wollen, schreiben Reiseführer oder Reiseblogs. Da ich ja den Titel Annas Auszeit für diesen Blog gewählt hatte, versuch ich zusammenzutragen, was Auszeit in Wien für Anna bedeutete.
Ich wurde nach Wien eingeladen, oder eigentlich würde Chögyal Namkhai Norbu (auf dessen Spuren ich mich ja seit Beginn des Jahres weitgehend durch Europa bewege) nach Wien eingeladen, worauf ich wiederum die Einladung erhielt, während und vor seines Retreats in Österreich ganz privat zu wohnen und die Stadt kennenzulernen. Da ich genug von anonymen Zeltplätzen und Airbnbs hatte, buchte ich sofort die Tickets.
Wien liegt zu Amrum am diagonal entgegengesetztem Ende des deutschsprachigen Raums, vielleicht ein Grund, dass ich noch nie da war. Also weit genug weg für ein gemütlicheres Lebensgefühl, einen anderen Singsang in der Sprache, ein laueres Lüftchen, einen Hauch Balkan und all das vor der historischen Kulisse einer ehemaligen Kaiserstadt. Die besten Auszeit-Momente waren aber nicht in den Museen, sondern in dem türkischen Restaurant Kent, beim Impulstanz-Festivals, Openair-Kino oder Picknick zwischen den Weinhängen auf dem Kahlenberg.
Auch wenn CNN letztendlich gar nicht nach Wien kam, lernte ich die Community kennen, konnte wieder tanzen und diesen Hauch von tibetischem Buddhismus im Westen genießen. Dennoch war ich froh, den Rucksack am Sonntag Abend zum letzten Mal zu schultern und zum Bahnhof zu tragen. Auch über die Entscheidung Liegewagen statt Flieger war ich im Nachhinein froh, das wär mir zu abrupt und schnell gegangen. Ich freu mich aufs Ankommen, Auspacken, auf Zuhause, auf Amrum und all die Menschen, die ich ein Jahr nicht gesehen hab.

Ein besseres Resümee meines Sabbatjahres als auf dem T-Shirt könnte ich selber nicht texten. Vielleicht bin ich etwas entspannter und hab mich etwas weiter entwickelt, auf alle Fälle hab ich dieses Jahr ungemein genossen. Hoffentlich erinnert es mich dann, wenn der Alltag mich wieder hat, daran, worum es wirklich geht. Relax, enjoy, evolve.

Glastonbury oder Avalon

Dienstag Nachmittag, es regnet und meine letzten beiden Tage England sind eingeläutet…

Nach dem Sprachkurs an der Küste, war es mal wieder Zeit weiterzuziehen und mit einen weiteren langjährigen Traum zu erfüllen: Summerlongdance! der School of Movement Medicine, eine Intensiv Tanzwoche irgendwo in dieser endlosen südenglischen Landschaft aus Hügeln, Wiesen, Schafen, Kleinen Dörfern und Horizont. Vor zehn Jahren lernte ich die beiden Tanzlehrer Susannah und Yakov Darling Khan kennen, erst als 5-Rhythmen-Lehrer, später als sie ihre eigene Schule gründeten, die schamanische beeinflusste School of movement Medicine. Bewegung ist die Medizin, das Heilmittel, das uns Zugang zum Körper, der Seele und ihren verborgenen Schätzen und Verknotungen gibt. Tanz ist daneben natürlich auch Ekstase, Lebensfreude und eine wunderbare Art in Kontakt zu gehen.. Eine einmalige Erfahrung für alle Tänzer. Da hier ja nicht nur Tänzer lesen, ein Link zum Selbertanzen und Aufatmen für alle, die lieber bei den weltlichen Fakten bleiben….School of Movement Medicine. Das Schöne daran war für mich auch wieder ein paar Freundinnen zu treffen, Siri aus Hamburg und Andrea aus Luzern. Rachel fügte sich spontan in unsere Gruppe und das war sehr schön. 

Ansonsten merk ich auch, dass ich nicht mehr all zu viel Lust auf neue Reise-Kontakte habe,  wenn ich nicht das Gespür habe, es entsteht eine neue Freundschaft, mein Bedarf ist doch langsam gesättigt.

Zwischendurch ein kleiner Blick hinter die Kulissen einer Sabbat-Reisenden. Es ist ja nicht so, dass ich spontan meinen Rucksack schulter und überlege, wo ich denn mal hinreisen könnte.: Als ich das Sabbatjahr beantragte, war mein Hauptwunsch mal wieder aus der Taktung rauszusehen und länger in Asien zu sein. Im Frühling 2016 wurden die Programme konkreter und fing ich an Kurse und Tickets zu buchen und ab Sommer hatte ich mich nach einer Bleibe auf Teneriffa umgesehen. Im März ging für mich die logistische Vorbereitung der Zeit nach Teneriffa los, Hormonyoga n Berlin, buddhistisches Retreat in Paris, Sprachkurs und Tanzworkshop in England so aneinanderzureihen, dass ich von einem zum anderen entspannt reisen konnte, ohne zu viel Zickzack, mit Bahn, Schiff, Bus und zwischendurch einem Mietwagen für die touristische Einlage. Das klappte ganz gut, wenn man mal davon absieht, dass mein Gepäck spätestens seit ich auch noch eine Campingausrüstung mitschleppe, alles andere als handlich geworden ist. Deshalb umgehe ich auch gerade Flugzeuge und Reise zu Land und zu Wasser. Nach Paris wollte ich nicht auch noch nach London und bin deswegen über die Normandie mit dem Schiff nach England gereist, eben nach Poole, weil im Nachbarort Bournemouth die Sprachschule meiner Wahl lag…

Nach all diesen Events, ist erst einmal wieder eine Ruhezeit angesagt, meine letzte Zeit allein auf dieser 11-monatigen Reise. Wobei alleine nicht gerade zur Esoterik-Hochburg Glastonbury passt. Hier tummelt sich alles, was alternativ Rang und Namen hat (bzw. gerne hätte, die echten Größen sind längst woanders). Für alle, die mal von der König Arthursage oder den Nebeln von Avalon begeistert waren, hier waren sie zuhause. Kleine kraftvolle Kapellen, natürliche Kraftorte, heilige Quellen, ein Pub aus dem 15. Jh., und eben auch die beste vegane Pizza ever (im Excalibur Cafe), In die Jahre gekommene Blumenmädchen, Alt-Hippies, Junghexen und ganz normale Familientouristen…. Ich bewege mich in einer Mischung von Spott, kompletten Eintauchen, Begeisterung und Realistischer Distanz. Mit Healing Waters hab ich eine Unterkunft gefunden, die etwas abseits liegt,  esoterisches B&B und wie ein Cottage auf dem Lande. Nachts die Schafe unterm Fenster und in der Küche der Smoothie-Blender. Absolut ruhig, so dass ich tatsächlich etwas Ruhe habe, vor und nach dem Sturm sozusagen und Natur satt, aber auch den Komfort einer voll eingerichteten Küche, frischen Laken und einem regendichten Dach über den Kopf. Zelten war zwar zwischendurch toll, 2,5m2 sind bei Regen dann doch etwas zu spartanisch.

Donnerstag geht’s wieder aufs Festland, leider mit einer alles anders als entspannten Verbindung,  erst einmal ist Familientreffen dran und dann hab ich nur noch ein Land vor mir, bevor es am 2.8. wieder zurück auf die Insel geht, die mich doch langsam aber sicher wieder ruft…

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In den Nebeln von Avalon

Lost and Found?!

Seit ich vor zwei Wochen aus Paris aufbrach, begleitet mich Möwengeschrei und ist die Küste immer in Reichweite. So wollte ich es und das tat soooo gut! Für alle, die es interessiert, hier nun meine nächsten Reiseetappen.

Die SNCF (französische Bahn) brachte mich nach Cherbourg in der Normandie und dort wartete ein Mietwagen auf mich. Raus aus der Stadt, und irgendwo an einem kleinem Zeltplatz in den Dünen mein Zelt aufschlagen. Durchatmen und dann das erste Bad in … ich wollte fast schreiben in der Nordsee – na gut, im Ärmelkanal, auf alle Fälle, nicht im Mittelmeer oder einem anderen warmem Gewässer.

Es folgte eine Woche ohne Programm, in der ich mich einfach treiben lassen konnte. Draußen Sein, ein paar kleine Dörfer oder Städte besuchen, den landestypischer Flair aufsaugen, das touristische Higlight Mont St Michel tat ich mir auch an – und doch noch den Klapisch-Film sehen (Ce quai nous lie, eine nette Komödie, vor allem für alle, die gerne Wein trinken). Mitte der Woche wechselte ich so ungefähr die Seiten: Wieder in Cherbourg ging ich an Bord der Barfleur und legte mit ihr ein paar Stunden später in Poole an. Ein neuer Mietwagen, diesmal mit dem Steuer rechts und wieder einfach ins Blaue fahren. 
Linksverkehr war eine ordentliche Herausforderung und den ersten Tag fühlte ich mich wie betrunken am Steuer und bin wohl mit mehr Glück als Verstand über die unzähligen Roundabouts gekommen. Poole liegt an der Kanalküste, direkt neben Bournemouth und schräg gegenüber der Isle of Wight. 

Diese Woche war ein echter Übergang für mich und eine der wenigen, diebisch nicht. Ur in vollen Zügen genossen habe. Ich war seit Langen das erste Mal ohne (Seelen-)Freunde und auch ohne Programm unterwegs, das hieß aber nicht nur viel Ausschlafen, Runterkommen, Lesen, sondern auch alleine essen und keiner, mit dem ich meine Reiseerlebnisse teilen könnte. Eine interessante Erfahrung- und auch ein Zeichen, wie mein Leben sich in den letzten fünfzehn Jahren geändert hat. Das Bedürfnis auszubrechen und Zeit für mich zu haben, nimmt ab und die Möglichkeit für Zweisamkeit oder Gemeinsamkeit nimmt zu – ganz besonders auch in diesem Jahr.

Doch da war auch etwas anderes: von Frankreich nach England. Die Euphorie, die ich immer in Frankreich erlebe, kenne ich in England nicht so.. So brauchte ich also diese drei Tage, um mich im Land von Creamed Tea, Cidre, und unzähligen Pleeease zurechtzufinden. Die Küste in Dorset ist dafür ein geeigneter Flecken, vor allem, wenn gerade eine Hitzewelle über das Land fegt. Wilde Pferde, Kreidefelsen, Steilküste und ein Standup-Paddleverleih. Das waren die Natur-Highlights, die mich mit dem Land versöhnten.

Ab gut einer Woche wohne ich nun in Bournemouth bei Helen und besuche eine Sprachschule. Ich hab Glück gehabt, das Niveau ist gut und die Gruppen sehr klein (wenigstens auf meiner Stufe). Helen war früher Köchin und lässt ihre kulinarischen Fertigkeiten nun an mir aus, d.h. Jeden Abend gibt es ein besonderes Diner und auch zum Frühstück lässt sie sich etwas einfallen. Heute war es Räucherfisch mit Buttertoast, was wohl so etwas wie die fleischfreie Variante des English Breakfast ist, so ungefähr das Gegenteil von dem, was Dr. Kadle mir in Indien empfohlen hat. Inzwischen kann ich England auch immer mehr Charme abgewinnen und hab am Wochenende gleich wieder einen Campingausflug gemacht, diesmal mit Karl an meiner Seite. 

Classmates

Paris – Marcher, Diner, Danser, Musée 

Paris! Laufen, Essen, Tanzen, Museum

 „Anna, trinkst du einen Café mit mir?“ Im Hof meiner Bleibe steht Nicky und ruft in den 4. Stock hoch. 5 Minuten später sitz ich mit ihr am Tresen ihres Stamm-Cafés in Montparnasse, vor uns Kaffee und Pain au chocolat. Sie ist meine Seele und Anlaufstelle, durch sie hab ich eine ganze Wohnung im Herzen der Stadt für mich allleine, wo ich abends meine wundgelaufenen Füße aufs Sofa lege und die Ruhe im Hinterhof genieße…. ein Zuhause in Montparnasse also, und dann nach einer Dusche zum nächsten Rendezvous-Vous ziehe. 

Paris ist neben Amsterdam und Berlin die Metropole, die ich am häufigsten besucht habe und von der ich eigentlich dachte, sie gut zu kennen. Dieses Mal bin ich jedoch weder auf Studien- oder Schulreise hier, noch ist es ein Liebhaber oder die Zeit zwischen zwei Zügen. Der eigentliche Anlass hatte sich durch Krankheit von Chogyal Namkhai Norbu zerschlagen, doch da die Lichterstadt ja nur eine Etappe auf meiner Frankreichtour ist, kam ich trotzdem, hatte auf einmal Zeit- und. mit mir gut 50 der Leute, die ich auf Teneriffa kennengelernt hatte, bis auf eine Handvoll Holländer hauptsächlich Franzosen. Ich lern ein neues und so altes Paris kennen, fülle die weißen Flecken auf meinem inneren Stadtplan. 

Eiffelturm, Montmartre, Notredame, Louvre, Champs-Elysees ließen wir links liegen. ich besuchte die Yogaschule am Canal de la Villette, die Tanzschule in Jourdan/Belleville, einem der angesagten Multikulti-Viertel der Stadt, den Meditationsraum der buddhistischen Gemeinschaft Paris, zwischen Hallen und Centre Pompidou. In immer wechselnder Runde ging’s mittags oder abends zum Libanesen, Japaner, Thai, an die Uferpromenade, die vegane Creperie, ins Bistro um die Ecke, auf einen Kaffee, ein Plat du jour oder ein Sandwich. 

Zweimal wollte ich uns Kino gehen, der neue Film von Klapitch kommt erst morgen raus, die Frauenkomödie war mir zu banal,  der Thriller zu heftig, die afghanische Ziege Ismael zu laut und all das eigentlich ein Zuviel an akustischen und visuellen Reizen. Also kaufte ich dann doch das neueste Buch von Anna Gavalda als Printausgabe, las in der Metro, im Bett, im Café, wenn ich mal gerade nicht en groupe war. 

 Ein anderes Paris, ein französisches, und doch auch wieder vertraut. Ich saugte Atmosphäre auf, besuchte die neuen Museen, Am Quai Branly und die Foundation Louis Vuitton. Beide gerade auf afrikanische Kunst spezialisiert, am Quai auf den Fußspuren Picassos, im Bois de Boulogne (Louis Vuitton, der von den Taschen) die zeitgenössische Kunst Süd- (und West)Afrikas. Vor allem das  war beeindruckend, intensiv, erfrischend, überraschend, in einem neuen Gebäude von Frank Gehry (der vom Guggenheim in Bilbao). Bois de Boulogne. Porte Maillot, Neue Tangoschuhe., endlich die selbstfilternde Trinkflasche aus meinem Weihnachtsblog – schon ein halbes Jahr her, wie die Zeit fliegt. 

Die Skater auf dem Place de La Republique, Pere Lachaise, nach 30 Jahren ein zweiter Besuch auf dem berühmtesten Friedhof der Stadt. Jim Morrison zieht immer noch Leute im Alter von bis, doch der Spirit ist auf Sparflamme. Vor Hahnemanns Grab halten deutsche Medizinstudenten Referate ü ber Homöopathie. 

La Villette war mir immer zu weit draußen, doch da Nadege gerade dort ihre Yogaschule hat, fuhr ich ins quirlige 19e arrondissement- und war begeistert. Jung und alt, Juden und Araber trafen sich zum Picknick am Quai im Park , die Kuppel der Geode (Vom Klett Verlag für den Unterricht ausgeschlachtet) widerspiegelt die Abendsonne. Daneben die Peripherique, die Grenze der Stadt und der Beginn der Vorstüdte, kurz vorher noch eine riesige neue Philharmonie, Konservatorium, Konzerthalle etc. Und ein Diner in einem Bistro, wo wir unsere Handtaschen mal unbekümmert auf dem Stuhl neben uns lügen lassen konnten. Nix pickpockets.
Paris 2017 – ist auch das Paris 2 Jahre nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und Bataclan, immer noch im Ausnahmezustand, mit erhöhtem Polizeiaufgebot und verschärften Sicherheitskontrollen. Doch die Zeit geht weiter, die Franzosen lassen sich ihre Terrassen nicht nehmen, klar könnte es jeden Moment wieder passieren, aber nicht nur hier und das Leben ist dazu da, um es zu genießen. Dem schließe ich mich gerne an.

Montag Morgen – Nach einem letzten Kaffee mit Nicki sitz ich im Zug, raus aus der Stadt, das Meer ruft, die Weite und Möwengeschrei! 

 


Bonjour la France – A la recherche du temps perdu

Montpellier Aeroport – die Sonne scheint und die kleine Eurowings-Maschine macht sich für den Start fertig. Dieser Flughafen ist so entspannt und alles mutet gelassen an, in der Ferne der Hausberg von Montpell‘ Pic St Loup, im Flieger ein Stewart der kein Wort Französisch spricht. Wo sind wir denn hier? Der Start verzögert sich und da der Download des jüngsten Buches von Anna Gavalda gerade nicht klappt, arbeitete ich in meinen Blog meine erste französische Episode ein.

Vor knapp drei Wochen kam ich bei kühlem Schmuddelwetter in der Stadt an und fuhr durch den Regen in die Cevennes. der Pic St Loup blieb wolkenverhangen und ich wollte das als Zeichen deuten und entschied, dass dies nicht mehr mein Platz ist.

Wie viel ist doch in der Zwischenzeit passiert, und wie wenig eigentlich auch wieder. Eines, da bin ich mir sicher bin: Ich komm wieder! Und nicht erst in 15 Jahren, c’est promis!

Vom Bahnhof ging es mit Tram und Bus nach Ganges (nein, nicht der indische Fluss, sondern die südfranzösische Kleinstadt), dort wartete Sebastien (Seb) auf mich, der mich erst einmal beim nächsten Supermarkt absetzte. Ein französischer Supermarkt ist so etwas wie Schlaraffenland, so viele Lebensmittel sind erinnerngsbeladen (saucisson pur porc), schmecken einfach gut (aïoli), sind typisch französisch (fromage de chèvre), machen mich neugierig (Creme de marrons a l’orange) oder müssen einfach sein (rayon patisserie, chaussons aux pommes etc.) Das wenigste gehört zu dem, was ich normalerweise unter gesunder Ernährung verstehe, aber meine Frankreichaufenthalte sind leider/zum Glück nie so lang, dass ich das als Priblem sehe. Allein schon die bunt bedruckte Einkaufstasche und der Tonfall der Kassiererin sind eben … französisch. So stand ich mit gleich zwei Riesentaschen beladen eine halbe Stunde später wieder am Auto, wissend, das ich mindestens ein Drittel nicht würde essen können, dafür reichte die Zeit gar nicht.

Mein Ziel hieß Dejamling in der Gemeinde St André de Majencoult oder so, und der Hof liegt gut 7km abseits der normalen Straße in einem Seitental mit insgesamt fünf anderen Häusern, das nächste 20 Minuten zu Fuß. Nach so viel Fülle an Begegnungen, an Aktivitäten und überhaupt  suchte ich jetzt das Kontrastprogramm: Nichtstun und besinnliche Einsamkeit in der Natur. Dejamling ist so etwas wie das südfranzösische Landhaus von Dzamlinggar auf Teneriffa, die Cevennen gerade so weit von der Küste weg, dass es zwar meist warm ist, aber Landschaft und Klima eher rauher. Hier habe ich ein paar hundert Meter vom Haupthaus entfernt eine kleine Hütte, wo ich dann ganz alleine wohne. Nachts hörte ich, was das im Wald heißt: wie die Mäuse die Dachisolierung anknabbern und Rehe und Wildschweine das Eichellaub ums Haus durchwühlen. Natürlich hab ich mich in den ersten Nächten versichert, dass sich nicht doch ein ungebetener Gast im Wald rumtrieb. Eigentlich unbegründet, denn zu der Hütte führte wirklich nur der Trampelpfad, den ich jeden Tag runterging um mir in der Küche etwas zu kochen. Pipi-Eimer und Komposttoilette im Wald, nix Wifi, dafür aber einen kleinen Heizstrahler, ohne den ich morgens nicht unter den vier Decken hervorgekrochen käme. Da saß  ich dann, hab in der Sonne gelesen und meditiert, mich durch meine Vorräte gegessen, bin im Wald spazieren gegangen und habe mich erfolgreich im Ausschlafen geübt. Neun bis zehn Stunden pro Nacht wurde schnell zur Routine, es geht also doch! Auf meiner Terrasse sah ich den Sonnenuntergang oder die Gewitterblitze über den Bergen und die Nebelschwaden im Tal.

Hört sich gut an, doch natürlich bin ich nicht nur nach Feankreich zum Ausspannen gefahren. Am Wochenende kamen die Franzosen aus Montpellier und Marseille und Anna aus ihrer Hütte. Jedes Wochenende war ein anderer Workshop dran, Tanz, Yoga, Atemübungen etc. und ich schnupperte in das Programm rein. Sie schleppten noch mehr bunt bedruckte Einkaufstaschen an, flaschen- oder kanisterweise Rotwein und jede Menge Gesprächsstoff – es waren ja gerade Wahlen und Franzosen diskutieren eh gerne. Für mich die Gelegenheit, wieder richtig drauf los reden zu können, französische Tischrunde eben. Einige kannte ich noch von Teneriffa, neue Bekanntschaften wurden geknüpft und ich fühlte mich in der Runde pudelwohl. Obwohl ich es manchmal auch alsvTheaterstück empfand. c’est subliiiime! mais c’est merveilleeeuuux!!! Wer setzt hier gerade wen in Szene? Bin ich noch Zuschauerin oder schon mittendrin? Am Sonntag Mittag hatte ich Küchendienst – auch wenn ich als Seminarköchin erfahren bin, vor dem französischen Gaumen hab ich doch einen gewissen Respekt, vor allem, wenn dann noch die verschiedenen Befindlichkeiten (Bio, vegan, glutenfrei etc ) berücksichtigt werden sollen. Hab ich aber gut hingekriegt, es gab eine Kartoffel-Lauchsuppe und Couscous (Tant pis pour le gluten). Klar, dass da jemand meinte, genau herauszuschmecken, wie viel Prisen Muskat nun genau in der Suppe wären, sie sind auch eben unverbesserlich, les Français, ansonsten hätte ich die volle Anerkennung der Gemeinschaft. Jemand meinte noch, dass Wein am Mittag der Praxis nicht unbedingt dienlich sei, aber irgendwie gehörte er eben dazu, wie der Käse hinterher, auch wenn das nun wieder nicht meine Idee war. Aber eben excellent! Für mich die richtige Mischung aus Ruhe und Gemeinschaft – wenn es mir zu viel wurde, hatte  ich ja meine Hütte.

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Spurensuche

Die Mega-Überraschung kam, als mir Seb mitteilte, dass ich am Wochenende drauf das Auto der Gemeinschaft haben konnte, als internationales Mitglied deckte mich ihre Versicherung. Bevor es los ging, gab es eine kleine Einweisung, da Auto und Weg ihre Macken hatten. Das Auto: Der erste Gang geht nicht immer rein und der Rückwärtsgang auch nicht, da muss man erst einmal Bremse anziehen, lockern und noch mal versuchen. Der Weg: einspurige Schotterpiste am Hang, schlecht befestigt,  Vorsicht, hier ist letztes Jahr jemand den Hang runter gerutscht, und diese Kurve ist mit Bedacht zu nehmen. Dann war ich raus aus dem Tal und folgte dem Flusslauf des Herault gen Süden. Erst einmal ließ ich mich treiben, hier ein Eis, dort eine nette Bucht am Wasser, doch schon schnell wurde ich in eine Richtung gezogen. Pic St. Loup und St Mathieu de Treviers, meine Reise in die Vergangenheit.

1983 war ich 18, hatte gerade mein Abi in der Tasche und wollte Französisch lernen (in der Schule lag der Schwerpunkt auf Latein). Über ein paar Ecken bekam ich die Adresse: Dominicaines des Tourelles in St. Mathieu de Treviers. Dort war ich ein knappes Jahr Teil einer internationalen Gruppe junger Freiwilliger, die den Nonnen halfen ihre Hotellerie zu betreiben. Es war ein offenes Haus, in dem erst einmal alle willkommen waren, egal mit oder ohne Jesus im Herzen. Es war auch für mich eine offenevZeit voller Begegnungen, Menschen mit verschiedenen Sprachen, Hintergründern, Ideen. In unserer Gruppe hatte es mir vor allem ein Holländer sehr angetan, so dass ich nicht nur mit passablem Französisch wieder in den Norden zog,  aber auch kurzerhand alle meine weiteren Studiums- und Lebenspläne in die Niederlande verlegte. Also ein Ort, der mein Leben geprägt hat. Und ein beständiger Ort, für 24 Stunden hatte  ich hier wieder ein Zimmer, die gleiche Einrichtung wie damals, die gleichen Essenszeiten, die gleiche Gebetsabfolge in der Kapelle. St. Mathieu hat sich von einem Dorf zu einer schönen Stadt gemausert. Die Nonnen, die damals federführend waren, sind nicht mehr da und die damals Novizin werden wollte, ist heute Oberin. Nachwuchs gibt es nicht, Au Pairs auch nicht mehr. Das hatte ich nicht anders erwartet und auch ich war ja seitdem andere Wege gegangen. ich war mir vorab also nicht sicher, ob dieser Ort noch zu mir sprechen würde. Er tat es! Spätestens in dem Moment, als die Nonnen das Osterlied anstimmten : Il est vivant comme il a promis … – da kamen die Erinnerungen, ein lachendes und ein weinendes Auge und bei Abfahrt auch wieder die Gewissheit, dass dies einer meiner Lebensorte ist, egal ob es dieselben Nonnen wie damals sind oder ich nun wieder in Deutschland wohne. Für alle, die wissen wollen, was dort sonst so vor sich geht: an diesem Wochenende war das Haus  gefüllt: Ein Symposium zum Thema Monotheismus und Gewalt, eine Vernissage und Filmvorführung lockte so einige aus Montpellier.  Für alle, die den Ort selber erkunden wollen: Les Tourelles.

Am Sonntag Abend war ich wieder im Hier und Jetzt angekommen, das für mich im Mai ja in einem Tal in den Cevennen liegt, auf meinem Meditationskissen, bei den Eulen der Nacht und am Freitag dem Miteinander mit den lebensfrohen Franzosen. Denen überlass ich meine Essenreste (Maiswaffeln … die französischen Köstlichkeiten sind alle in meinem Magen verschwunden). Bis mich Seb beute morgen wieder in sein Auto lud und ich mit Bus und Bahn am Flughafen Montpellier ankam, um meine Reise fortzusetzen. C’est subliiime!

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Europa, ich komme!

Nach vier Monaten Teneriffa bin ich wieder in Barcelona gelandet, genau wie im Dezember hab ich ein paar Tage bei meinem Bruder Station gemacht und ein bisschen Zuhause genossen: Erzählen, gemeinsames Kochen, Kino-Abend, die Kneipen und Restaurants der Gegend besucht und heute ein Picknick am Strand. Spannend war für mich auch, wie sich sein Haus in den letzten Monaten entwickelt hat. Küche, Bad, Fensterfront, Haustür, Garten – er war sehr aktiv und auch wenn noch längst nicht alles fertig ist, ist jetzt schon sichtbar, wie gut Durchbruch und Licht der kleinen Finca tun. Ich bin neugierig, wie es bei meinem nächsten Besuch aussehen wird.

Meine letzten Wochen Teneriffa entsprachen im Rhythmus doch sehr den vorherigen, deswegen auch nicht allzu viel Details. Ich hab wieder ein Auto gemietet und bin in den letzten zwei Wochen viel unterwegs gewesen: Ausflüge nach Santiage del Teide, nach Buenavista, nach Teno Bajo   (so etwas wie Finsterre auf Tinerfeno) und an andere verwunschene und malerische Orte. Frühling heißt überall etwas anderes, doch gemein ist wohl, dass es grünt und blüht und die Natur so richtig los legt. Das besondere an einer Insel wie Teneriffa sind die endemischen Pflanzen, das sind Sorten oder Arten, die es nur dort gibt – und oft riesengroß sind. Eine willkommene Abwechslung zum trocken-staubigen Hinterland der südlichen Strände.

Die letzten zehn Tage meines Aufenthaltes hab ich mein Zimmer gegen ein Appartement  in einem der Pavillons im Dzamling Gar, dem buddhistischen Zentrum eingetauscht. Fernab vom Autolärm, inmitten des von Alice und ihrer Gärtner-Truppe liebevoll angelegten Gartens in direkter Nähe von Gompa, Rinpoche und den anderen Vajrageschwistern. Und auch mal gerade ohne mein Bad oder meine Küche teilen zu müssen. Da das die Zeit der Ausflüge und der allgemeinen Abschiede war, wurden diese anderthalb Wochen dann doch nicht so ruhig wie erwartet. Die Großveranstaltungen gehen zu Ende und ab Mai geht Chögyal Namkhai Norbu auf Europatour und bereist dann die anderen Teile der Welt, bevor er im Dezember wieder nach Teneriffa kommt. Wien, München, Paris und die Toskana stehen auf dem Programm. Für mich gilt es, in den nächsten Wochen und Monaten all das, was ich dort gelernt habe, so zu verinnerlichen, dass es einen Platz in meinem Leben behält, auch wenn ich wieder im Alltag bin. Doch ich freu mich erst einmal auf den Frühling und Sommer, wo ich mir noch einige Wünsche in Westeuropa erfüllen werde. Morgen früh geht es per TGV nach Montpellier und von dort in die Cevennes. Der Mai wird ja auch für Frankreich spannend und vielleicht gelingt es mir, etwas mehr am aktuellen Geschehen dran zu bleiben.

Lauter bunte Schmetterlinge

Immer mal nahm ich mir vor: „Heute kommt wieder ein Blog.“ Diejenigen, die auf Facebook öfter mal von mir hörten, merkten, dass ich mich auch dort rar machte. Von Instagram ganz zu schweigen. Eigentlich meldete ich mich dort nur auf Anraten meiner Nichten, Neffen und Schüler an – gerade ein Medium zu viel. Falls ihr mitlest: Ich hab öfter mal Fotos mit dem Klassen-T-Shirt gemacht, doch die blieben dann auf meinem Handy ohne den Weg ins Netz und zu euch nach Amrum zu finden. Zugegeben, Amrum ist mir gerade weit weg – und die Öömrang Skuul damit auch. Manchmal erreicht mich der Schul-Chat. Oder der Tango-Verteiler…. Manchmal denk ich an einen Geburtstag – viele hab ich aber vergessen. Also Peter, Hannelore, Ully, Susanne und so weiter – vielen herzlichen Glückwunsch nachträglich. Das Leben hat gerade anderes mit mir vor.

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Ein kurzer Rückblick über die letzten Wochen:

Losar – Neujahr

Erst einmal die tibetischen News, danach geht’s mit dem weltlichen Berichten weiter. Wer in die buddhistische Welt nicht eintauchen möchte, klickt erst einmal weiter.

Am 27. Februar (Neumond) haben die Tibeter ihr Neues Jahr gefeiert, Losar. Damit wurde das Jahr des Feuervogels eingeläutet  Im hiesigen Zentrum ging es da natürlich auch hoch her. Rituale, Opfergaben, gutes Essen, Neujahrsgebäck und Geschenke. Für die knapp 800 Gäste aus aller Welt waren lange Tische mit Geschenken aufgebaut und jeder durfte sich etwas aussuchen. Ich bekam eine Box mit lauter luftigen Stoff-Schmetterlingen – zwar nicht den ersten, aber den besten Frühlingsboten. Da ich mich gerade auch so leicht wie ein Schmetterling fühle, ist mir das gerade recht.

Direkt anschließend ging eine zweiwöchige tibetische Verjüngungs- und Langlebenskur los. Es gab jeden Tag ein oder zwei Pujas (Rituale mit Glocken, Trommeln, Gesang) und eine besondere Pille. Sieht aus wie ein steinharter Hasenköttel und hat „alles drin“. „Alles drin“ nannten wir zuhause die Multi-Vitamin-Mineral-Tabletten, die ein befreundeter Pharmareferent meinen Eltern immer mitbrachte und die sie ganz überzeugt (oder aus Freundschaft) monate- (oder war es jahrelang?) schluckten. In diesen tibetischen Chüdlen-Pillen ist auch alles drin, nur rechnen die Tibeter eben nicht in Vitaminen und Mineralien, sondern Essenzen und Energien, von lauter besonderen Kräutern und Meistern etc.

… noch mehr Schmetterlinge

Das Wohlergehen auf der Insel wurde vor zehn Tagen auf die Probe gestellt, als Calima die Insel heimsuchte. So wie wir auf Amrum im Winter unter Ostwind leiden, stöhnen die Kanaren über diesen Wüstenwind, der die Luft mit staubigem Dunst und heißen Temperaturen hüllt. Erkältung vorprogrammiert. Den Rest kurier ich gerade aus.
Parallel zu dem Neujahrsretreat kamen auch etliche Freunde aus Deutschland. Abwechslung, Sozialleben und Tapetenwechsel. Für ein paar Wochen hab ich mein helles Zimmer gegen eine kleine Finca-Wohnung weiter landeinwärts eingetauscht. Frühstück im Garten unter Zitronen- und Papayabäumen; Katzen, Hunde, Hühner als tierische Kulisse und nachts einfach nur Ruhe, kein Hardrockhotel, keine lärmenden Nachbarn, nada. Aber eben auch nicht mal zu Fuß zum Strand runter oder kurz ins Pool hüpfen. Mit den Vermietern Juan und Paula schlossen wir schnell Freundschaft und  da sie in der Ferienvermietung recht neu sind, wollten sie Tipps haben, was eine gut ausgestattete Ferienwohnung hermacht. Hier ist da die elektrische Zitruspresse wichtiger als der Wasserkocher. Als Teetrinkerin seh ich das natürlich anders.
Sie luden uns gleich zu einem kubanischen (Paula ist Kubanerin) BBQ mit Caldoza ein. Es gab ca. drei Stunden lang, Huhn, Bananen, Mojo und Mojitos in allen Variationen.
Mojo ist die kanarische Soße die hier bevorzugt zu Pellkartoffeln gegessen wird. Papas con Mojo ist dann auch meist meine Lieblingsbestellung im Restaurant. Wenn es mal etwas mehr Luxus sein darf, haben wir uns nach dem fangfrischen Fisch informiert. Der lag dann 20 Minuten später gegrillt auf unserem Teller – herrlich.
Besuch heißt auch mal wieder ein Auto zur Verfügung zu haben – tibetisch verjüngt und wieder fast calima-gesund, haben wir das für Touren in den Nordteil der Insel genutzt: Diesmal gab’s den Nebelwald wirklich in Nebelschwaden, den Teide tief verschneit (was an der Küste ein Platzregen ist, ist weiter oben eben Schneesturm). Am meisten haben es mir die äußersten Enden der Nordseite angetan. Dort wo die Straße aufhört und die Natur einfach ihren Gang geht. im Norden reiht sich dann noch eine Badebucht an die nächste – ohne Straße, nur über Kiesel zu erreichen und dementsprechend leer. Im Westen herrschen schroffer Stein und sattes Grün. Eine schmale Straße schlängelt sich den Berg hoch, diesmal auch aus dem Auto, vor zwei Monaten bin ich die gleiche Strecke sportlich hoch gelaufen.IMG_5390
Einen ganzen Tag haben wir zu viert im Mariposa Projekt verbracht (ihr könnt euch denken, was das auf Deutsch heißt).  Lauter kleine und große Kunstwerke, Landartprojekte etc. wurden hier seit den 90ern von dem Galleristenehepaar Müller initiiert – und jetzt von Witwe und Team weiter betreut. Park und Garten laden zum Schlendern und Verweilen ein – die Führung gibt einen tieferen Einblick in Hintergründe und Bedeutung.

Nun bin ich wieder in meinem alten Zimmer – und habe noch 5 Wochen Insel vor mir. Ich lerne neue Tänze, Meditationen und vertiefe mich immer mehr in die buddhistische Philosophie. Immer noch gibt es neue Leute, alte Bekannte, interkulturelle Begegnungen, langsam wird mein Spanisch immer besser.

Halbzeit

Anfang des Monats wurde mir bewusst, dass mein Sabbatjahr schon zur Hälfte rum ist. WAAS? So mitten in der Fülle, kommt die zeitliche Dimension wieder ins Spiel? Halbleer ist eben auch noch halbvoll. (okay, ist ein Cliché, passt aber gerade sehr). Ich bin noch voller Pläne und habe immer noch das Gefühl, dass dieses Jahr einfach rund ist und ich es in vollen Zügen und bis zum letzten Tag genießen kann und werde. Dankbarkeit – ein Gefühl, das ich gerade öfter habe.

Als ich das letzte Mal schrieb, war ich hier auf Teneriffa gerade in meine neue Bleibe eingezogen und freute mich auf drei Monate Sonne-Wonne. Nun ist der Einzug genau vier Wochen her und ich habe eine Routine gefunden, tägliche oder wöchentliche Highlights, Aufgaben oder Ähnliches. Diese Regelmäßigkeit wird  zwar jede Woche wieder durchbrochen, da da keine wie die andere ist und hier in diesem Zentrum in jeder besondere Veranstaltungen angeboten werden.
Mit ‚Hier‘ mein ich natürlich Dzamlinggar, das tibetische Zentrum schräg gegenüber. Ich fühl mich manchmal wie ein Kind im Candyshop, Süßigkeitenladen, oder wie Nina Hagen (ich kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier). Wer möchte, kann fast von morgens bist abends an Kursen teilnehmen, neue (eigentlich sehr alte, aber bei uns meist unbekannte) Yogaübungen und Atemtechniken lernen, Kreistänze zu tibetischer Popmusik oder traditionelle Meditationstänze üben. Vor allem die Tänze in großen Gruppen sind toll – so ab hundert Leute und drei ineinandergreifende Kreise hat das Ganze eine irre Dynamik (die Einsteiger einfach mitreißt).
Dann gibt es den magischen Treffpunkt, genannt Cafeteria, wo immer jemand sitzt, der Lust auf einen Plausch hat, es gutes, günstiges Essen gibt und natürlich wifi. Daraus ergeben sich manchmal wieder Verabredungen, gemeinsame Essen, tiefergehende Gespräche, ein soziales Leben.
Seit drei Wochen bin ich ohne SIM-Card und stelle fest, wie gut das WIFI-Netz ist, so dass ich alle alten und neuen Kontakte über WhatsApp erreichen kann, mit zuhause telefoniere etc. Vor meiner Reise hab ich meinen deutschen Telefonvertrag ruhen lassen, wie so einige Versicherungen, GEZ etc, natürlich um Kosten zu sparen. Übrigens klappt das meist ganz gut, nur die Telekom versucht jeden Monat wieder etwas abzubuchen, wofür sie sich dann hinterher entschuldigt. Sehr überrascht war ich, dass WhatsApp mich unter meiner stillgelegten Nummer weiter führt. Wer mir dagegen ‚normale‘ Textnachrichten schickt, wundert sich vielleicht, wenn ich nicht antworte. Vermutlich werden mir die alle zugestellt, wenn ich im August meine deutsche SIM-Card aktiviere. Darauf bin ich auch schon neugierig.
An manchen Tagen ist mir all die Kommunikation aber auch zu viel und such ich mir einen Felsen, von wo aus ich Schwimmen kann, und dann einfach nur in der Sonne sitzen und in die Weite schauen. Oder ich zieh mich mit einem e-Book zuhause zurück und lese. Heute ist so ein Tag, da es sich richtig eingeregnet hat, im Zentrum Wolldecken verteilt wurden und der Tag nach warmem Kakao und Einkuscheln ist. Am Sonntag hat es gestürmt und wenn es hier regnet, schneit es auf dem Teide. Der ist dann wieder weißbepudert, 3700 m sind eben nicht ohne. Für alle Südländern ist hier jetzt sowieso Winter und nur Nordlichter wie ich laufen noch kurzärmlig rum oder gehen baden. Und endlich mal die Gelegenheit, wieder einen Blogeintrag zu schreiben.
Vor zwei Wochen wurde dieser dahinplätschernder Alltag durch ein Retreat mit dem tibetischen Lehrer Chögyal Namkhai Norbu unterbrochen. Ca. 350 Leute wurden erwartet (eigentlich eher wenig) und ich meldete mich sofort, als Helfer gesucht wurden. In spirituellen Kreisen heißt das Karmayoga. Da ich einen kommunikativen Job wollte und immer noch Frühaufsteherin bin, habe ich mich für die Eingangskontrolle am Gate entschieden, wo ich 7 Tage lang jeden Morgen um halb acht mit einer Thermoskanne heißen Tee meinen Dienst anfing. Bis um 10 das offizielle Programm losging, waren wir zu zweit, um alle zu kontrollieren, die rein wollten, Fragen zu beantworten etc. Eigentlich gehört der Job zur „Security“, aber auf meinem Namensschild (ich war die einzige Frau im Team), stand dann doch einfach „Safety & Support“. Die Zeit verging wie im Flug und ich hab danach mal wieder erfüllt ausgeschlafen. Ich lernte in diesen Stunden viele Leute kennen, hab alle mir zur Verfügung stehenden Sprachen querbeet gesprochen und so einiges über das Leben hier erfahren. Das Faszinierende find ich jedes mal wieder, Leuten zu begegnen, denen ich im Alltag nicht über den Weg laufen würde. Aus anderen Ländern, sozialen Schichten, Altersstufen, Lebensphasen … und doch das Gefühl zu haben, dass sie genauso wie ich Teil eines großen Netzes sind, ich würde fast sagen einer großen Familie.
Ich hab die relative Ruhe der letzten Woche auch dazu genutzt, meine nächsten Reiseziele und Trajekte zu planen. Da ich Stella, meine Vermieterin mal kennengelernt habe, hab ich die Wohnung gleich für zwei Wochen verlängert und für Ende April einen Flug aufs Festland gebucht. Ein paar Eckdaten stehen schon, für den Sommer hab ich Ideen und jeweils eine Fortbildung für die Schule und die Praxis ins Auge gefasst.  Die Pläne schmiede ich noch im Stillen, wenn sie Wirklichkeit werden, erscheinen sie hier. Erst einmal zum Hier & Jetzt (schon wieder ein Cliché…)
Denn auch das wurde mir klar. Ein Jahr ändert mich nicht komplett – ich bleibe irgendwie Anna, ich hab nicht das Bedürfnis, in Deutschland alles hinzuschmeißen und mich an einem neuen Paradiesstrand niederzulassen und wieder von vorne anzufangen, oder mich irgendwie über Wasser zu halten – nur um hier zu sein. Es gibt hier einige, die wissen, dass sie im nächsten Winter wieder monatelang hier sein werden – da ich das wohl nicht werde, genieße ich jetzt jeden Tag um so intensiver.
Ich habe auch nach wie vor das Bedürfnis zu lernen, meinen Horizont zu erweitern. Mich länger als ein paar Stunden dem Nichtstun hinzugeben, ist nach wie vor nicht mein Ding. Wenn ich wollte, könnte ich hier ehrenamtlich tiefer einsteigen oder die eine oder andere Behandlung geben. Auch wenn meine Trommel mit reist – noch ist mein Kontostand ausreichend und genieße ich es, mal nicht für andere da zu sein, eine schamanische Reise zu machen oder mit professionellem Ohr zuzuhören. Nur meine homöopathische Reiseapotheke geb ich gerne mal weiter, den Yogaverletzten, Erkälteten, Verkaterten etc. Auch das Karma-Yoga belass ich bei ein paar Stunden wöchentlich ohne all zu große Verantwortung, um mich nicht in einen äußeren Schedule zu passen.
Während ich dies schreibe, sitz ich auf dem Sofa und höre Henry Torques – . Musik ist mir wieder wichtig, wenn ich abends koche, suche ich eine Playlist auf dem Handy oder im Netz und schalte meine UE-Box ein (steht die eigentlich auf meiner Top 10 Liste der Reisegadgets?). In Indien ist es ja immer laut und quirlig, da macht es kaum Sinn, selber noch Musik einzustöpseln, seit ich in Barcelona Kofferwechsel hatte, genieße ich wieder den guten Sound und die freie Musikauswahl.  Auch das wieder ein schönes Stück Lebensqualität.
Zur Lebendigkeit gehörte übrigens auch, dass ich mich vor zwei Wochen abends auf einmal alleine fühlte. Das erste Mal, seitdem ich im August die Insel verließ. Wow! Das Gefühl ging fast so schnell, wie es kam und hat so ganz flüchtig meine Reise-Gefühle um eine Erfahrung bereichert.

Nächste Woche kommen wieder Freunde aus Deutschland, wir haben ein Auto gemietet und ich freu mich drauf, wieder mehr von der Insel kennen zu lernen.

Teneriffa – eine Stunde Winter

4 Wochen, 4 Häuser, 4 Freunde

Schon fast vier Wochen bin ich in Costa Adeje und noch sicher drei Monate werde ich auf Teneriffa mein Zuhause haben, seit Sonntag auch in einer festen Bleibe. Endlich mal wieder alles auspacken, einrichten und mich heimisch fühlen. Am Ende der Straße ist das Meer, und der Playa Paraiso. (Wo ich gleich hingehe, wenn ich diese Zeilen fertig geschrieben habe.) Am anderen Ende der Straße ist ein tibetisches Zentrum, das jetzt meine Hauptanlaufstelle ist und der Hauptgrund weswegen es gerade Teneriffa und dann auch noch Costa Adeje sein sollte (denn landschaftlich gibt es wirklich schönere Ecken). Mitten im Sommer rief Klemens mich an, ob ich Silvester nicht auch auf Teneriffa sein wollte und noch eine Unterkunft suche. Natürlich sagte ich gleich ja, und so trafen wir uns am zweiten Weihnachtstag am Flughafen und fuhren los, auf der Suche nach der Finca Escobada irgendwo am Hang zwischen Güimar und La Candelaria. Da mein Handy mal gerade eine Auszeit brauchte (und damit der Navi) und die kanarischen Hausnummern eher nach dem Losprinzip vergeben werden, zog es sich etwas, bevor wir unser Domizil erreichten. Der Empfang war dann umso herzlicher. Maike und Tobias mit ihren Zwillingstöchtern Ester und Laura haben vor ein paar Jahren Deutschland den Rücken gekehrt und sich hier eine neue Bleibe gesucht. Mit vier Hunden, vier Welpen, zwei Pferden und den Großeltern. Toll, dass sie uns in ihrem Haus zwei Zimmer mit Küchen- und Badnutzung anboten und uns so manch Wissenswertes über die Insel erzählten. Zum Beispiel, dass, der ‚Nebel‘ über der Insel keiner ist, sondern zum Colima, einem der hiesigen Winde gehört und eigentlich nur Sand den Blick verschleiert. Oder, dass das alljährliche Weintraubenessen zu den Glockenschlägen der Silvesternacht in diesem Jahr aus der Basilica von La Candelaria im Fernsehen übertragen wurde. Oder uns mitnahmen zum Neujahrskonzert in ihrem Städtchen Afaro.

Neun Tage lang ging es jeden Morgen an der Ostküste mit dem Auto zum Zentrum, wo die buddhistischen Belehrungen stattfanden und abends wieder zurück. Danke Klemens für deine Einladung und danke an Maike & Tobias. Mit Klemens hab ich vor mehr als zehn Jahren meine Ausbildungen in tibetischer Massage und Medizin angefangen und er betreibt seit langem eine Praxis, u.a. auch für TCM im Frankfurter Raum.

Für alle, die statt Raunächte, Einkehr und dreizehn Wünschen auf dreizehn Zetteln nächstes Jahr mal die spanische Variante (kurz, knackig, lebensfroh) ausprobieren möchten: Zwölf einzelne Weintrauben vor sich aufreihen und zu jedem Glockenschlag eine in den Mund stecken. Dazu jeweils etwas für das neue Jahr wünschen. Um zwölf hat man dann den Mund voller halb gekauter Weintrauben, den Mind voller halb gedachter  Wünsche und kann all das mit Cava runterspülen. Kleine Anekdote am Rande: Ein Freund von mir hörte nur halb zu und ging statt Trauben von Tauben aus. Da wäre die Erstickungsgefahr ja noch größer. Aber vielleicht würden die Friedenswünsche dann eher erfüllt.


Anfang Januar war das Retreat hier zu Ende und die meisten der über 1000 Teilnehmer machten sich auf die Heimreise, so auch Klemens. Ich hatte wieder Glück und konnte übergangsweise bei Karl einziehen, einem Berliner, der nicht nur meditiert, sondern auch Tango tanzt. Endlich wieder das Tanzbein schwingen!

Am Sonntag holte ich dann meinen alten holländischen Freund Michiel vom Flughafen ab. Unsere Wege kreuzen sich seit über zwanzig Jahren immer wieder und so war es auch ganz klar, dass wir zusammen eine Woche in der Finca verbringen, die ich eigentlich mit HC teilen wollte. Nördlich von Los Realejos an der Nordwestseite der Insel hat vor 25 Jahren eine deutsche Familie ein Stück Land in eine riesige Öko-Farm mit netten kleinen Häuschen verwandelt. Wir bekamen die luxuriös ausgebaute Scheune mit Panoramablick und Kamin. Von dort aus machten wir täglich lange Wanderungen durch die Barancos, mit teilweise enormen Steigungen. Als wir hoch zum Teide führen, waren die Wanderwege an der Spitze wegen Schnee und Eis gesperrt. Also Seilbahn, dicken Pulli und Jacke, -2Grad zeigte das Thermometer. So kam ich auch noch auf eine Stunde Winter….

Nun ist Michiel wieder in Holland und ich bin wieder in Adeje, genauer gesagt in Playa Paraiso. Über Bekannte konnte ich gleich für drei Monate ein helles, schönes Zimmer mieten und kann sogar selber kochen. Nach ein paar Tagen hatte ich auch raus, wo ich Bio-Gemüse und andere ganzheitliche Lebensmittel bekomme. Der örtliche Supermarkt ist sonst eher auf schnelle Urlaubskost eingestellt, das wär drei Monate lang das genaue Kontrastprogramm zur Ayurvedakur, nein Danke!

Ich genieße das Meer, die Sonne und die Leichtigkeit. Und, dass ein paar hundert Meter weiter einer der größten tibetischen Lehrer sein Wissen weiter gibt. So wie ich überwintern etliche seiner Schüler hier und treffen sich nachmittags zum Tanzen. Natürlich gibt es auch Yoga, Meditation und Belehrungen. Die fließenden Bewegungen im Tanz haben aber eine ganz besondere Qualität, die auch irgendwie glücklich macht.

P.S. Und der 4. Freund? Vorgestern traf ich auf der Straße einen Amrumer, der zum Surfen hier ist.